9.03 Uhr: Kindergarten-Chefin Gabi Schneider und Elternvertreterin Annett Groh stehen vor dem „Kinderland“ Wolkenburg im Schnee. Als die Einrichtung bei der Eingemeindung nach Limbach-Oberfrohna bedroht war, haben die Eltern die Kita als Träger übernommen. Stanislaw Tillich will seine Reise deshalb hier beginnen. Um 9 Uhr. „Laut Navi kommt er 9.20 Uhr“, verspricht Staatskanzlei-Mitarbeiter Jörg Förster, der Kontakt per Handy hat.
9.19 Uhr: „Zum Glück sind nicht so viele Menschen wie Autos da“, scherzt Tillich, als er aus seinem schwarzen Phaeton steigt. Die Straße ist wegen einer Baustelle komplett zugeparkt. Es gibt selbst gebackene Plätzchen.
9.32 Uhr: „Wir wünschen uns vom Nikolaus (...) einen Tausendfüßler, aus Plüsch gemacht, eine Babypuppe, die Pipi macht“, singen die Knirpse aus der Vorschulgruppe. Dann wird gemeinsam mit Tillich „O Tannenbaum“ gesungen.
9.45 Uhr: Elternvertreter Sirko Hornung spricht die Kürzungsdebatte bei freien Schulträgern an. Tillich sagt, er verstehe die Sorgen. „Der Staat aber muss öffentliche Schulen vorhalten. Und was machen Sie, wenn Sie alle Strukturen doppelt haben und die Schülerzahl sinkt?“
10.50 Uhr: Ankunft beim Kartoffelverarbeiter Friweika in Weidensdorf. „Das werden die besten Fotos“, spaßt Tillich, als er eine weiße Haube aufsetzen muss. Friweika-Vorstand Andreas Kramer greift nach einer Packung Kartoffelgratin, „für den englischen Markt“. Tillich: „Vor ein paar Jahren haben wir gemeinsam gekämpft, um auch in Bayern zu verkaufen, jetzt wird exportiert.“
12.20 Uhr: Bei N+P Informationssysteme in Meerane führt Danny Költzsch ein Computerprogramm vor, das Architektur und Einrichtung von Fabrikhallen simuliert. „Damit sich nicht wie vor 1989 beim Einzug herausstellt, dass die Maschine nicht in die Halle passt“, erinnert sich Tillich. Informatiker Dirk Ziegenbalg wird von seinem Chef Jens Hertwig als West-Rückkehrer vorgestellt: „Familie gegründet, Haus gebaut, Steuern bezahlt.“
12.32 Uhr: Bei Kaffee und Häppchen geht es um Fachkräfte, Crimmitschauer Eishockey und Chancen für Sachsen im arabischen Raum, wo Tillich kürzlich für den Freistaat warb. Ursula Hertwig holt die Begrüßung auf Sorbisch nach – extra eingeübt für den Sorben Tillich.
14.03 Uhr: Eine Frau, die in der Behindertenwerkstatt St. Mauritius in Zwickau Mappen bindet, will wissen, wer denn nun der Ministerpräsident ist. Tillich stellt sich vor.
14.15 Uhr: Werkstattleiter Roger Georgi diskutiert mit Tillich über die Integration Behinderter in den Arbeitsmarkt. St. Mauritius vermittele zunehmend Arbeitskräfte an Betriebe, sagt Georgi. Ein Hindernis aber sei, dass sich ein Unternehmer das dreimal überlege – wegen des strikten Kündigungsschutzes.
15.30 Uhr: Schloss Osterstein. Am Eingang protestieren Sozialarbeiter gegen die Kürzung der Pro-Kopf-Pauschale, die der Freistaat für die Jugendarbeit zahlt. Martina Schindler vom Verein „Gemeinsam Ziele erreichen“ befürchtet weniger Angebote. „Wir bleiben auf dem Stand von 2004“, entgegnet Tillich.
15.45 Uhr: Eintrag ins Ehrenbuch der Stadt Zwickau. Der Ministerpräsident resümiert seine Reise durch „eine Region, die wesentlich zum Wohlstand des Landes beiträgt“. 15.58 Uhr Eine Tasse Kinderpunsch. Dann geht es weiter zur Bürgermeisterrunde in Kirchberg.
Erschienen in: Freie Presse Glauchau, Freie Presse Zwickau, 03.12.2010